Fahrrad und Sicherheit

Einleitung

Als Alltagsradler bin ich jeden Tag seit nun mehreren Jahren unterwegs und erlebe es fast täglich, dass Räder gepostet werden, die gestohlen wurden. Oft wurden auch nur Einzelteile demontiert und mitgenommen, wodurch oft dann nur der Rahmen übrig bleibt, der angeschlossen war. Hier möchte ich ein paar Ideen und Ratschläge niederschreiben, wie man sein Fahrrad möglichst sicher durch die Jahre bringen kann.

Gestohlen und nie wieder gesehen – Mit 3 Schlössern an der viel genutzen Einkaufsstraße Spitalerstraße angeschlossen – 5 Minuten hat es gedauert.

Standort

Längere Aufenthalte

In der Regel sollte man sein Rad niemals draußen stehen lassen. Ein Keller, ein Abstellraum oder eine Garage sind das Optimum für ein Fahrrad, wodurch es nebenher auch vor der Witterung geschützt ist. Bei Freunden frage ich immer explizit nach, ob und wo ich das Fahrrad denn abstellen kann. Oftmals wird mir dort der eigene Keller zur Verfügung gestellt, was sehr unkompliziert funktioniert. Auch der Hinterhof ist gelegentlich eine Option. Niemals würde ich mein Rad bei Freunden vor dem Haus an den Fahrradständer abstellen, da es dort recht schnell entfernt werden kann.

Wichtig: Bei euren eigenen Keller empfehle ich, die Hausratversicherung zu informieren, dass ein teures Fahrzeug im Keller längeren Aufenthalt findet. Zudem sollte eine Prüfung des Kellers von der Versicherung angefordert werden, damit im Falle eines Einbruchs nicht versucht werden kann, die Zahlung zu verweigern. In meinem Fall kamen 2 Sachverständige, die Kellergang sowie Kellerraum geprüft haben und mir gesagt haben unter welchen Aspekten die Versicherung nicht greifen würde. Dies habe ich dann direkt behoben, damit eine Verweigerung der Übernahme weitestgehend ausgeschlossen ist.

Kürzere Aufenthalte

Für den Einkauf und andere kurze Aufenthalte ist es natürlich nicht möglich das Rad irgendwo rein zu stellen, es sei denn es ist eine Fahrradwerkstatt oder ein Laden, der einen Abstellraum hat. Da dies selten der Fall ist und in den meisten Fällen Bügel vor dem Geschäft oder ähnlichem stehen, muss man entweder diese nutzen oder auf eine entfernte Abstellmöglichkeit hoffen, wie z.b. einen Laternenpfahl oder ähnliches.

Wichtig: Das Rad sollte nie dort stehen, wo es andere gefährdet oder behindert. Direkt auf einer Haltestelle für Busse und an Einfahrten sowie Bordsteinabsenkungen für den Fahrbahnübergang für Eingeschränkte Personen ist auszuschließen.

Prüfung des Objektes

Vor und während dem Abschließen sollte definitiv das Objekt geprüft werden, an dem ihr euer Rad abstellen wollt.

  • Kann man es eventuell herausziehen?
  • Hat es eine zugeklebte Stelle mit Klebeband, die sich bewegt?
  • Kann man das Objekt eventuell einfach wegtragen?

Das sind wichtige Punkte. So einige haben sich schon gewundert, wenn das Fahrrad weg war und der Bügel, an dem das Rad befestigt wurde, auf dem Boden lag. Auch in meiner Berufsschule habe ich die Erfahrung des nicht im Boden befestigten Bügels gemacht und habe diese dann gesammelt im Sekretariat abgegeben. Diebe, die öfter bestimmte Stellen ablaufen, haben oft die Bügel an einer Stelle angesägt, damit sie im Falle eines Fahrrades ohne viel Aufwand und Lärm das Rad entfernen können und den Bügel wieder so hinterlassen, wie er dort stand. Das Klebeband verdeckt dabei sehr oft die durchgesägte Stelle. Auch Fahrradständer, die nicht fest im Boden verankert, sogenannte mobile Fahrradständer, gibt es oft bei Läden, die sie bei Ladenschluss in den Laden tragen. Diese sind bitte zu meiden, da der dieb im schlimmsten Falle einfach mit einem Sprinter anrückt und beides mitnimmt.

Durchgangsverkehr

Verlasst euch nie auf die Menge der Menschen, die an der Stelle, wo ihr euer Rad abstellt, verkehren. Die wenigsten achten wirklich auf Geräusche, noch auf das Eigentum anderer, gehen meist einfach weiter und haben mit ihrem eigenen Kram zu tun. Das mussten Opfer von Dieben schon häufig in Hamburg an der Spitalerstraße feststellen, wo sehr viel Verkehr durch die größte Fußgängerzone in der Hamburger Innenstadt vorhanden ist. Dort werden mitten am Tag bis zu 5 Räder gestohlen, manchmal keines. Meine Erfahrung ist: Je mehr Personen sich irgendwo aufhalten, desto weniger fallen die Diebe auf und je mehr Räder an einem Ort abgestellt werden, desto höher ist die Anziehung von Dieben an den Ort. Weitere Infos sind auch in der Galileo Dokumentation zu finden. Dort wird dies von der Polizei bestätigt. (Siehe unten bei “Dokumentationen”)

Fotobeweis für die Versicherung (Optional)

Wer eine Versicherung hat, sollte sich definitiv alle Kriterien durchlesen, die bei der Schlosswahl und Co. entscheidend sind. Andernfalls kann es dazu kommen, dass die Versicherung nicht zahlt, weil Kriterien nicht erfüllt wurden, die durch den Vertragsabschluss akzeptiert wurden. Über die Kriterien hinaus empfehle ich von dem Fahrrad, vor dem Verlassen, ein Foto zu machen. Im besten Falle mit Datum und Uhrzeit im Bild (Apps dafür gibt es ja genug) und aus anderen Winkeln, wenn es immer der gleiche Ort ist, damit keine Bildbearbeitung vermutet werden kann. Dabei sollten die Schlösser zu sehen sein.

Fahrradschlösser und Schlüssel

In dieser Kategorie werden wohl sicher noch Verbesserungsvorschläge kommen, ich kann aktuell nur von verschiedenen Erfahrungen und Erfahrungsberichten anderer schreiben, die ich in den letzten Jahren mitbekommen habe.

Drehscheibenschloss

Ich habe mir in letzter Zeit viele Arten von Schlössern angeschaut und dabei ist mir aufgefallen, dass die wenigsten ein Drehscheibenschloss haben. Bei Abus sind diese Schlösser nur in den hohen Preisklassen zu finden. Alle anderen haben normale Stiftschlösser. Drehscheibenschlösser haben den Vorteil, dass man für jedes dieser Schlösser ein Werkzeug benötigt. Es kann kein Schlagschlüssel verwendet werden, wie bei üblichen Stiftschlössern.

Welche Schlösser würde ich nehmen? – Mindestens 2 Schlösser

Generell möchte ich keine einzelnen Produkte als absolute Kaufempfehlung oder so aussprechen. Viele schwören bis Heute auf das Abus Bordo 6000, bzw. 6500. Beide haben sehr gute Eigenschaften und Schlösser. Ich habe ein Abus Bordo für das Rad meiner Freundin. Ich werde mir für mein Rad nun 2 Hiplock Schlösser holen. Diese haben auch sehr gute Eigenschaften und ein Bolzenschneider machte bisher noch keinen großen Eindruck auf das Schloss. Auch Kryptonite würde ich nehmen, da diese in Deutschland nicht allzu verbreitet sind und diese nur noch Drehscheibenschlösser verwenden.

Von Schlössern mit Stiftschloss, zu geringen Eigenschaften und Materialstärken kann ich durchgehend abraten. Kabelschlösser habe ich auch noch keine Gefunden, die wirklich was aushielten. Ich freue mich hier aber auch über Empfehlungen, was man sich noch ansehen möchte.

Wichtig: Ich empfehle mehr als 1 Schloss zu kaufen. Am besten auch von verschiedenen Herstellern. Zudem würde ich vor dem Kauf eines Schlosses mich eingehend mit dem Thema beschäftigen. Immer, wenn es um Sicherheit geht, sollte man sich ein wenig Wissen aneignen. Auch ich bin nicht allwissend, freue mich daher über Verbesserungsvorschläge und weitere Schlossempfehlungen. Gerne auch mit Tests, damit ich mir diese durchlesen kann und mir dann eventuell ein Testprodukt kaufe.

Zusätzliche Sicherungen

Da wir nun die Schlösser haben, welche zumindest die einfachen Diebe und vielleicht, je nach Art der Schlösser auch die professionelleren Diebe verhindern oder zumindest gelegentlich abschrecken, gilt es, noch die Einzelteile zu sichern. Jeder kennt es, jeder hat es mal gesehen. Man geht an einem Rad vorbei und dann fehlt der Sattel, mal ein Rad, mal ist nur noch der Rahmen vorhanden. Das ist natürlich nicht sehr erfreulich und es in so einem Zustand nach Hause zu bringen ist ebenso ärgerlich und kann auch teuer werden.

Nicht fest montierte Gegenstände

Lasst niemals nicht fest montierte Gegenstände am Rad, wenn ihr das Rad draußen stehen lasst. Mal eine Lampe oder so würde noch gehen. Allerdings wird gerne mal in eine kleine Tasche geschaut oder lose Dinge direkt mitgenommen. Klick Fix Taschen immer mitnehmen oder verstauen.

Alarmanlagen

Cobi

Cobi ist ein Bordsystem für Bio-Bikes und E-Bikes. Es vereint das Smartphone mit dem Fahrrad und mehreren Sensoren, die man hinzufügen kann. Zudem hat es ein Alarmsystem, welches aktiviert werden kann. So soll es sich bei Bewegung bemerkbar machen und den Alarm auslösen. Ich nutze Cobi seit mehreren Monaten, es klappt auch in den meisten Fällen. Manchmal habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich mein Schloss problemlos abnehmen konnte und mit dem Rad losfahren konnte, ohne dass die Alarmanlage reagiert hat. Erst nach knapp 500 Metern ging Cobi an, registrierte Bewegung und ging dann richtig ab. Dies ist mit in einem jahr allerdings nur 2 mal passiert. Eine GPS Verfolgung oder ähnliches ist nicht möglich. Im Allgemeinen empfinde ich Cobi aber als ein sehr gutes System, welches nicht nur auf die Alarmtechnik reduziert werden sollte.

Bicycle Alarm

Das Alarmsystem wird in einem Plastikgehäuse geliefert und wird mit einer 9 Volt Batterie betrieben. Auf der Oberseite sind 3 Knöpfe (A, B, C), mit denen man einen Code eingeben kann. Mit 3 sekündigen Druck auf B wird die Alarmanlage aktiviert. Bewegt man nun das Rad, wird ein Alarm ausgelöst, der allerdings nur eine gewisse Zeit läuft. Er ist recht laut. Nachteile sehe ich allerdings dahingehend, dass wenige Personen immer zur Stelle sind oder auch auf das Reagieren. Der Dieb könnte so tun, als hätte er es aus Versehen ausgelöst und sagen, es sei sein Bike. Ob die Person dann weitergeht, ist dabei nicht zu sagen. Weiteren Nachteil sehe ich in dem Plastikgehäuse. Es kann mit einem Bolzenschneider oder Schlägen zerstört oder abgeschlagen werden. Wenn man es an eine Sattelstange baut, die einen Schnellspanner hat, ist die Alarmanlage schon sinnlos.

 

Wichtig: Aktuell kann ich kein Alarmsystem empfehlen, welches man ans Rad bauen kann.

 

Fahrradüberwachung (GPS/Bluetooth)

In der Vergangenheit habe ich viel über verschiedene Überwachungssysteme gelesen und das diese ja so toll seien. Darunter waren sehr viele Systeme, die über eine App und Bluetooth arbeiten. Hier haben wir aber schon den Haken. Bluetooth hat nur eine geringe Reichweite und nicht jeder hat die App auf seinem Handy. Wenn also nur der Standort vom Fahrrad geteilt wird, wenn man in der Nähe ist, machen diese Tools keinen Sinn.

 

Ich habe leider noch keine verkäuflichen Systeme gefunden, die zuverlässig auch über mehrere Wochen funktionieren. Ich arbeite lediglich gerade an einen Eigenbau aus einem Raspberry Pi Zero, einem GPS- und Sim-Modul, womit man den Standort recht präzise sehen und verfolgen kann. Die Teile werden aneinander gelötet und in den Rahmen verbaut, sodass ein Ausbauen schwerer wird und lange dauert. Einen eigenen Akku sollte es ebenso haben, welcher mehr als nur einen Tag läuft sowie Möglichkeiten des Aufladens von Außen, ohne dass es von Außen beschädigt werden kann. Da diese Arbeiten allerdings noch in der Alphaphase sind, kann ich bisher nicht viel dazu sagen, ob es am Ende auch richtig funktioniert. Zudem muss der Rahmen eine solche Möglichkeit hergeben, damit es nicht einfach entfernt werden kann.

Bauteile

Bei Bauteilen ist es etwas schwierig, die alle mitzunehmen. Laufräder mit Schnellspanner, Steckachse und andere Bauteile, die man in wenigen Sekunden abschrauben kann, sind sehr schnell weg und das ist nicht unbedingt optimal. In diesem Feld bin ich noch recht neu, da ich mein Rad bisher nie unbeaufsichtigt draußen stehen ließ. Da ich das Thema aber recht interessant finde, wollte ich es auch direkt mit hier einbringen.

Hexlox

Die Fahrradteilsicherung von Hexlox wird in den nächsten Wochen wohl bei mir für eine Testrunde platz finden. Dies sind kleine 6-kant Nüsse, die man in die Löcher der Imbussschrauben des Fahrrades steckt und verschließt. Dazu gibt es einen Schlüssel, der auf die dafür zugeschnittenen Nüsse gebaut ist. Die Unterschiede beschreiben den Winkel, den Steilgrad und die Breite des inneren der Nuss. So kann man keinen Universalschlüssel verwenden. Es gibt dieses Schloss in Magnetisch und nicht magnetisch für alle Arten von Schrauben. Mit einem imbusschlüssel ist es dann nicht mehr möglich, die Einzelteile zu entfernen. Bisher habe ich nichts negatives darüber gelesen, werde es selbst noch testen und berichte dann.

Ixow und Kryptonite

Ixow und Kryptonite haben ein Sicherheitskonzept entwickelt, wo die bauteile gesichert sind, wenn das Rad normal steht. Um die Schrauben lösen zu können, muss das Rad auf den Kopf gedreht werden. Insofern man das Rad also an 2 Stellen festgeschlossen ist und man es nicht mehr umdrehen kann, wären die Bauteile ebenso gesichert. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass Kryptonite lediglich so ein Konzept für die Laufräder hat. Ixow, wie Hexlox, für mehrere Bauteile. Ob ich mir diese Teile einmal näher ansehe und teste, bleibt abzuwarten, wie der Hexlox Test abläuft.

Zu Iwox habe ich leider kein Video gefunden.

 

Fahrradcodierung

ADFC Fahrradcodierung

Der ADFC, sowie die Polizei bieten im Rahmen der Fahrradsicherheit eine Fahrradcodierung an. Damit wird das Rad am Rahmen codiert, welches nicht ohne weiteres zu entfernen ist. Anhand des Codes ist der Eigentümer des Rades eindeutig erkennbar. Mit der Kombination der Bauteilesicherung hat man so eine höhere Chance, das Rad komplett oder zum Großteil wieder zurück zu erhalten, sollte es gestohlen werden. Ohne Bauteilsicherung wird im schlimmsten Falle nur der Rahmen gefunden werden. Im besten Falle wird der Dieb das Rad in Ruhe lassen, wovon aber im Zweifel nicht auszugehen ist. Orte, wo man in der eigenen Region das Rad codieren lassen kann, sind im Netz zu finden.

Was benötige ich zur Fahrradcodierung?

Die folgenden Dinge sind zu einer Fahrradcodierung mitzubringen:

  • Das eigene Fahrrad.
  • Ein Eigentumsnachweis (Kaufvertrag, Rechnung, Quittung) für das Fahrrad. Vorsicht: Ein Kassenbon reicht nicht aus. Fehlt der Eigentumsnachweis, wird der ADFC auf einer sogenannten Eigentumserklärung bestehen, die sie später der Polizei zur Überprüfung überlässt.
  • Etwas Zeit, da die eigentliche Codierung des Fahrrads zwischen zehn und 15 Minuten dauert.
  • Ein Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass).

Weitere Informationen hier.

Bike ID

Bike ID war mir bis vor kurzem unbekannt, soll laut Webseite aber auch mit der Polizei zusammenarbeiten. Da ich noch keinerlei Erfahrungen von mir oder anderen dazu gehört oder gelesen habe, kann ich nicht viel dazu sagen. Ich wollte es aber nicht vorenthalten. Hier wird der gleiche Ansatz verwendet, aber mit anderen Methoden. Nach der Registrierung und Anmeldung seines Rades erhält man einmal einen Aufkleber mit QR Code und Microtags, die man mit einem Lack auf das Fahrrad klebt. Von diesen erhält man mehrere, wodurch man das Rad an mehreren Stellen “taggen” kann. In den Tags sind kleine individuelle Codes enthalten, die den Eigentümer identifizieren. (Auch in der Galileo Dokumentation zu finden). Zusätzlich soll man sein Rad dort versichern lassen können. Dazu habe ich allerdings keinerlei AGBs und Co. auf der Webseite gefunden und kann darüber keine Aussage treffen.

 

Dokumentationen

Ende

Am Ende, wie schon mehrfach im Beitrag erwähnt, freue ich mich über Verbesserungsvorschläge und andere Empfehlungen. Diese werde ich dann nach und nach ergänzen.

 

Versionsdokumentation

VersionBeschreibungDatumAnmerkung
1.0Artikel erstellt07.07.2018
1.1Video hinzugefügt08.07.2018Tipps der Polizei gegen Fahrraddiebstahl

Galileo Dokumentation

1.2Bereich Fahrradcodierung hinzugefügt08.07.2018

 

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