Eintrag 2, Woche 1, Sa. 06.05.2017


Eintrag 2, Woche 1, Samstag 06.05.2017

Die ersten Stunden schon waren eine reine Tortur, der Rucksack war so schwer gepackt und das Gewicht absolut falsch errechnet, das schon das aufschnallen des Rucksacks ohne Aufstehhilfe nicht möglich war.

Doch ich dachte „naja, das sind die ersten Tage, beiß dich durch und setz auf den Trainingseffekt der sich bemerkbar machen sollte“.

Nun ging ich also los, zum hamburger Hauptbahnhof und wartete auf die Metronom, die mich nach Stade bringen sollte.

Dort angekommen überbrückte ich meine Wartezeit von knapp einer Stunde sitzender weise und belüftete meinen nassgeschwitzten Rücken.

Da setzte sich eine Dame zu mir und fragte mich „na, sind Sie auch am pilgern?“

Ich erklärte ihr, das dies durchaus mein Vorhaben ist, jedoch auf meinem eigenen Pilgerweg.

Sie erzählte mir ein bisschen was von ihren Pilgertouren durch Frankreich und Portugal, sprach mich aber auch auf meinen riesigen Rucksack an und das Gewicht was ich mir da aufbürden würde.

Sie sagte mir nichts neues, mir war ja schon aufgefallen was für einen Panzer ich mir da auf den Rücken geschnallt habe, doch ist in diesem Panzer eben alles drinnen was ich noch wirklich an Besitz habe und auch (nach meiner Meinung) benötige um wenigstens so mancher Jahreszeit zu trotzen, auch wenn ich meine das Kleidungstechnisch ich nicht gut ausgestattet bin, aber Winterkleidung kann man ja ggf. nachkaufen wenn es soweit ist.

Also setzte ich mich in die Bahn nach Stade als diese dann endlich ankam, es war bereits 16 Uhr am Nachmittag und ich hatte mich darauf eingestellt, das ich nach 1h Faht ca. nur schnellstmöglich aus Stade rauskomme um mir mein Nachtlager zu suchen.

Nach den ersten 6 Kilometern und 3,5 Stunden Laufzeit inklusive viiiieler Pausen (diese weißen Stromschaltkästen die überall rumstehen waren meine besten Freunde, da man dort einfach mal seinen Rücken entlasten kann indem man den Rucksack drauf abstellt ohne ihn abzuschallen) war es nun schon 20:30 Uhr und ich musste nun schleunigst einen guten Spot zum campieren finden.

Das jedoch war garnicht so einfach, da einige viel befahrene Straßen, abgezäunte Naturschutzgebiete, Bauernhöfe und Ackerland um mich herum waren.

An einer Landstraße laufend fiel mir auf, das an einem Lärmschutzhügel ein Zaun gespannt war, einige Meter hoch.

Ich dachte mir, nun ist es in 1h dunkel und mein eigentlicher Spot den ich mir erdacht hatte, wäre nochmals 3-4 km weit weg gewesen.

Ich waraber schon so im Eimer und hatte keine Lust im dunkeln mein Lager aufzuschlagen, ich versuche es nun einfach auf gut Glück.

Gewartet bis keine Autos mehr kamen und dann los!

Ab auf die andere Straßenseite, den 4-5 Meter Hügel eher im Schildkrötengang hochgekraselt als aufrecht… schön ist anders :D

und auf der anderen Seite erblickte ich dann, das dort ein weiterer Weg war, wo der Zaun den ich vorher sah, eine Art Obstbaumplantage mit Jungbäumen einzäunte.

Ich rutschte nun also mit einem Fuß unter meinem Allerwertesten und einem gestreckten Bein vorran diesen Hügel herrunter und stellte fest, meine Beine sind zu schwach mitlerweile um normal aufstehen zu können mit der Last auf dem Rücken.

Ich krabbelte also auf allen vieren zum Zaun und zog mich an einem Pfeiler in die aufrechte.

Das Gute an dem Zeitpunkt meiner Entscheidung diesen Hügel hochzukrabbeln, war, das ich genau auf der Höhe des Eingangsbereichs der Plantage runterkam und nichtmehr weit laufen musste.

Ich Checkte das Tor, es war nicht verschlossen, öffnete es behutsam und schlß es hinter mir erneut und begann die Plantage zu erkunden ob dort jemand ist und ob dort ein geeigneter Spot zum Zelten ist, den ich sogar sehr schnell fand.

Ich begann nun hastig mein Lager aufzuschlagen, es war bereits 21 Uhr und ich hatte nurnoch eine halbe Stunde bis die Sonne verschwunden war.

Baute in Windeseile mein Zelt auf, schnipste direkt erstmal ne Zecke weg die auf meiner Zeltplane schlafen wollte und ging zu dem ganzen toten Holz und Gestrüpp von dem die Plantage auf 3 Seiten bewachsen war. Irgendwelches tote Gehölz von Birken, Eichen und Weiden.

Sammelte mir hastig mein Feuerholz zusammen, hob eine Grube mit meinem Spaten aus, Handvoll von meinem Zunder rein und bloß schnell das Feuer an. Zu meinem Glück, es wurde sofort ein wunderschönes, kleines aber beruhigendes Lagerfeuer.

Ich aß eine Kleinigkeit, obwohl ich nicht viel Hunger hatte, ich war einfach nur mega im Arsch aber zwang mich was zu essen um morgen Energie zu haben überhaupt aufzustehen. Machte mir noch eine Tasse Früchtetee, löschte mein Feuer und begab mich ins Zelt.

Ich brauchte recht lange zum einschlafen was mich verwunderte da ich wirklich kaputt war, aber ich denke an die frische Luft muss man sich die ersten Nächte eh ein wenig gewöhnen, war ja auf Festivals auch nie anders.

Mein Schlafsack, war wunderbar, ich war so dankbar ihn zu haben, da er sofort optimal wärmte als ich mich in ihm verpuppt habe.

Zwischendrin bin ich zwei mal von lauten Autos wach geworden weil es sich so anhörte als würden sie hier auf oder am Plantagengelände fahren, es war aber nur die Landstraße.

Und naja, einmal meinten die Rehe eine viertel Stunde lang „rumbellen“ zu müssen, aber zum Glück kannte ich dieses Geräusch gut und war entsprechend entspannt und hörte es mir eine Weile an, bis ich dann doch wieder einschlief.

Am nächsten morgen dann um 6-7 Uhr rum wurde ich dann das erstemal wach, mir tat wirklich alles weh und ich blieb einfach noch liegen und fing zwichendrin an meine Beine und Schultern zu massieren umd die Muskulatur aufzulockern.

Als dann gegen 11 endlich auch der Muskelkater langsam Gnade zeigte, kroch ich aus meinem Zelt, und fing an auf der Wiese auf und ab zu gehen während ich was trank und gegessen habe. Ich hoffte das sich durch die Bewegung die Muskeln ein wenig aufwärmen würden und mir genug Kraft für den Marsch aufbringen können.

Dies war auch der Fall, ich fühlte mich dann nach eienr Weile fit genug um das Zelt abzubauen, den Rucksack zu packen und loszulaufen.

Es war bereits 12:10 Uhr, der Rucksack und alles war gepackt, nun hatte ich aber das Problem, wie stehst du auf, mit diesem Rucksack, wo du dir schon beim anziehen in sitzender Haltung auf dem Boden direkt erstmal nen nassen Arsch geholt hast.

Ich probierte ein wenig herum, rollte mich auf den Bach und auf alle Viere und schaffte es in eine gehockte Position. Nun kurz in mich gegangen und alle Kraftreserven aufgebracht, und „tadaa“ ich stand!

Aber meine Beine wollten schon jetzt nicht mehr!

Nach dem ersten Kilometer über einen Feldweg war das aber auch wieder Geschichte, denn die Beine waren scheinbar aufgewärmt, denn ich spürte nichts mehr beim laufen von dem Muskelkater. Erst wenn ich rastete, da wurde es schier grausam und man machte auf den ersten Metern, gerne ein paar Schrittfehler bis die Beine sich wieder aufs laufen eingestellt hatten.

Nach ein paar weiteren Kilometern, die nächste Landstraße schon im Blick, dachte ich ich traue meinen Augen nicht. Noch nie in meinem Leben sah ich einen freilebenden Hirsch, immer nur in Tierparks oder so, doch da stand er!

Ein junger Bursche, das Geweih noch ganz klein, aber ein Reh konnte es nicht sein, das Fell viel zu dunkel, und er viel zu groß für ein Reh, außerdem war kein anderes Tier dort zu sehen. Er erblickte mich natürlcih sehr schnell, wahrscheinlich schon bevor ich ihn sah, doch machte er keine großen Anstalten sich von seiner Wiese durch meinen anblick vertreiben zu lassen.

Es war ein kleines Wiesenareal von allen Seiten mit Bäumen umgeben, ich wollte gern ein Foto machen, doch das Handy war abgeschaltet und der Blickwinkel sehr bescheiden, somal er etwa 150 Meter weg war von mir und wir uns nur durchs Gestrüpp sehen konnten.

Als ich auf einer geeigneten Position war und das Handy dann an, muss er sich wohl gedacht haben „Haha! Blied“ und sprang durch die gegenüberliegende Baumreihe.

Naja, schade, Foto war nix, aber die Erinnerung bleibt.

Endlich an der Landstraße angekommen, nochmal die Richtung überprüft, sollte es nun straight nach süden richtung Bremen gehen.

Unterwegs füllte mir ein Junge meine Wasserflaschen auf und als sein Vater dann nach hause kam und mich draußen sah mit meinem Rucksack auf seiner Bank liegend erklärte ich ihm kurzerhand was ich hier zu suchen habe und was ich gerade tue.

Er hörte sich alles gespannt an und wir plauderten ein wenig über das wandern aber auch über die Pferde seines Vaters die nebenan standen (ich arbeitete ja selbst 2 Jahre mit Pferden und mag die Tiere, naja ich mag eigentlich alle Tiere :D ).

Als ich dann losgehen wollte und er drinnen verschwunden war, kam er noch kurzerhand wieder raus gestürmt aus seiner Haustür und drückte mir eine Birne, einen apfel und eine Banane in die Hand, die ich mit strahlenden Augen (mein Bauch hätte in die Hände geklatscht wenn er kännte) in meinen Pullover steckte.

Doch dann fing es an, ich bekam langsam stechende Schmerzen im Rücken, nicht durch die Last, da meckerten eher die Schultern, nein durch Druckknöpfe an meinem Rucksack, die dafür zuständig waren, die Schulterpolsterung für den Rüken zu fixieren. (Achja, das Problem bestand von Anfang an, trat aber erst bei der hohen Last auf)

Der Knopf öffnete sich jedesmal wenn ich den Rucksack anzog, was dafür sorgte das das Schulterpolster wenige Zentimeter hoch rutschte

Diese Druckknöpfe drückten sich nun aber genau auf meiner Wirbelsäule, nur vom Pulli und Shirt geschützt.

Ich dachte mir aber nichts dabei und dachte nur, da gewöhnst du dich irgendwann dran, aber es brannte schon arg, vorallem in Verbindung mit meinem Schweiß.

Naja das Wetter war noch okay, der Ehrgeiz noch da, das motivieren jedoch wurde immer schwerer für mich als ich Bushaltestelle um Bushaltestelle sah, Bus um Bus an mir vorbeifahren, doch ich lenkte mich von der Versuchung ab. Aus Bequemlichkeit aufgeben? Nein sicher nicht! Außerdem, was hätte ich danach? Ich hätte ja trotzdem nichts, keine Wohnung, kein Job, und müsste wieder bei Freunden unterkommen.

Nein das kam nicht in Frage, ich wünschte mir die Tour so lange und habe mir diesen Raum dafür geschaffen im Leben, also bewegte ich gefälligst meinen Arsch weiter nach vorn, auch wenn es schwer fiel!

Als ich dann gen Abend hin langsam die Augen nach einem Lagerplatz offen hielt kam aber eines zum anderen.

Eingezäunte Wälder, Truppenübungsplatz, Wälder die durch und durch von Brombeergewächs durchwuchert waren durch die kein Durchkommen möglich war, auf Ackerland zelte ich nicht und die Bauern in der Gegend schauen einen sowieso schon sehr skeptisch an.

Also lief ich weiter und hoffte eine Niesche zu finden wo man fix sein Zelt aufschlagen kann und sich dann mal um seine Blessuren kümmern konnte, doch vergebens.

Noch während der Suche erwischte mich ein heftiger Regenfall und zu guterletzt versagte auch noch mein Brustgurt vom Rucksack, der einfach abriß und den ich nurnoch provisorisch wieder fest zurren konnte. Ich war durch und durch nass, alles wurde noch schwerer als es eh schon war, also begab ich mich an die einzige Unterstellmöglichkeit in meiner Nähe, eine Bushaltestelle.

Die Bank da drinnen war aber auch nicht mehr als ein breiteres Brett, und nicht geeignet mir beim aus und anziehen meines Rucksacks als Stütze zu dienen.

Nun als ich de Rucksack aber dann doch mühsehlig ausbekam, strahlte der Schmerz an meinem Rücken, die nassen Klamotten kühlten mich runter das ich zu Zittern anfing, trotz auf und ab Laufens in der Hütte.

Da fing ich an nachzudenken und langsam an der Situation zu Verzweifeln ob mein Ehrgeiz das durchzuziehen so groß ist, das mein Kopf keine Rücksicht auf meinen Körper nimmt.

Doch ich versprach vielen Menschen, das ich, sollten körperliche Schäden auftreten die mir im Nachhinein weiter schaden würden wenn ich fertig mit der Tour wäre, abzubrechen.

Ich rief meinen besten Freund an, und schilderte ihm meine Situation, meine Gefühle und Gedanken und wir kamen zum Schluß, das der Körper einem Grenzen setzen kann, die weit unter der Geistigen liegen.

Das diese Art von Schäden die Material und Körper nun bereits schon hatten, keine gute Basis für ein weiterreisen sind. Er versuchte mich zwar auch zu motivieren weiter zu machen, doch empfand ich es zu dem Zeitpunkt als nicht sinnvoll.

Ich hielt es für sinnvoller, solange ich mich noch in der Nähe von Hamburg befand, noch einmal abzubrechen, mich entsprechend nochmal besser vorzubereiten, zu schauen ob ich meinen Rucksack repariert bekomme, die Blessuren auszukurieren, Gewicht im Rucksack weiter zu reduzieren und dann entsprechend nochmal einen Neustart anzutreten.

Als ich den Entschluß traf schossen mir Tränen vor Wut und Enttäuschung über mich selbst in die Augen. Ich empfand es wie, als ob ich mir eine Böße gab, anderen aber vorallem auch mir gegenüber. Mein Stolz befiehlt es mir aber das das nicht der einzige Versuch gewesen sein solte.

Dies führt nun natürlich zu dem Problem, das die gesamte Tourenplanung vom Zeitfenster her absolut ins wanken kommt und ich jetzt noch nicht vorraussagen kann, wann, wo und ob ich irgendwo hingehen werde.

Aktuell habe ich meine Ernährung angepasst und betreibe täglich Sportübungen für den Aufbau von Rücken, Bein und Schultermuskulatur, was bei meiner Art Körperbau sehr schwierig ist. Aber ein absolutes muss ist.

Dennoch habe ich hier auch ein paar Bilder für euch, einer kleinen Sightseeingtour durch Hamburg Altona, als ein Freund mit mir dort ein wenig spazieren ging und mir nette Orte zeigte die es mir Wert waren auch auf Bildern festzuhalten.

Also, die Tour ist nicht abgebrochen, aber unterbrochen. Ein Neustart ist in planung.

Carpe Vita

euer Frettchen